Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der IV. Internationale (Teil 3)

// Das Übergangsprogramm (1938) // von Leo Trotzki //

// Teil 3 //

Gegen Opportunismus und prinzipienlosen Revisionismus

Die Politik der Partei Leon Blums in Frankreich beweist von neuem, dass die Reformisten unfähig sind, irgendetwas aus den noch so tragischen Lektionen der Geschichte zu lernen. Die französische Sozialdemokratie ahmt sklavisch die Politik der deutschen Sozialdemokratie nach und schreitet der gleichen Katastrophe entgegen. Im Laufe einiger Jahrzehnte ist die II. Internationale in den Rahmen der bürgerlichen Demokratie hineingewachsen, ist zu einem untrennbaren Bestandteil derselben geworden und verfault mit ihr.

Die III. Internationale hat den Weg des Reformismus in der Epoche betreten, wo die Krise des Kapitalismus die proletarische Revolution endgültig auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Die gegenwärtige Politik der Komintern in Spanien und China – eine Politik, die darin besteht, vor der „demokratischen“ und „nationalen“ Bourgeoisie zu kriechen – beweist, dass auch die Komintern nicht mehr fähig ist, etwas zu lernen oder umzusteigen. Die Bürokratie, die zu einer reaktionären Kraft in der UdSSR geworden ist, kann auf dem Weltschauplatz keine revolutionäre Rolle spielen.

Der Anarcho-Syndikalismus hat insgesamt dieselbe Entwicklung erfahren. In Frankreich ist die Gewerkschaftsbürokratie von Leon Jouhaux[34] seit langem ein Agent der Bourgeoisie in der Arbeiterklasse geworden. In Spanien hat der Anarcho-Syndikalismus seine revolutionäre Fassade abgelegt, als die Revolution begann, und wurde zum fünften Rad am Wagen der bürgerlichen Demokratie.

Die zentristischen Zwischengruppen, die sich um das Londoner Büro[35] scharen, sind nichts anderes als „linkes“ Zubehör der Sozialdemokratie und der Komintern. Sie haben ihre völlige Unfähigkeit bewiesen, sich in einer historischen Situation zurechtzufinden und revolutionäre Schlussfolgerungen aus ihr zu ziehen. Ihr Höhepunkt wurde von der spanischen POUM erreicht, die sich unter den Bedingungen der Revolution als absolut unfähig erwies, revolutionäre Politik zu entfalten.

Die tragischen Niederlagen, die das Weltproletariat über eine lange Reihe von Jahren durchstehen musste, haben die offiziellen Organisationen in einen noch größeren Konservatismus gedrängt und haben gleichzeitig die enttäuschten kleinbürgerlichen „Revolutionäre“ dazu gebracht, „neue Wege“ zu suchen. Wie immer in den Zeiten der Reaktion und des Niedergangs tauchen überall Quacksalber und Scharlatane auf. Sie wollen den Gang des revolutionären Gedankens rückgängig machen. Anstatt aus der Vergangenheit zu lernen, „korrigieren“ sie sie.

Die einen entdecken die Unhaltbarkeit des Marxismus, die anderen verkünden den Bankrott des Bolschewismus. Die einen schieben der revolutionären Doktrin die Verantwortung für die Fehler und Verbrechen derer zu, die sie verraten haben, die anderen verdammen die Medizin, weil sie keine sofortige wundertätige Heilung garantiert. Die Kühnsten versprechen, ein Allheilmittel zu entdecken und empfehlen, unterdessen den Klassenkampf anzuhalten. Zahlreiche Propheten der neuen Moral schicken sich an, die Arbeiterbewegung mit Hilfe eines ethischen Heilverfahrens zu erneuern. Die Mehrzahl dieser Apostel hat es geschafft, selbst moralische Invaliden zu werden ohne jemals auf das Schlachtfeld herabzusteigen. So bietet man dem Proletariat als scheinbar „neue Wege“ nur alte Rezepte an, die schon längst in den Archiven des Sozialismus vor Marx begraben liegen.

Die IV. Internationale erklärt der Bürokratie der II. und III. Internationale, der Internationale von Amsterdam und der anarcho-syndikalistischen Internationale sowie ihren zentristischen Satelliten einen unversöhnlichen Krieg, ebenso dem Reformismus ohne Reformen, dem mit der GPU verbündeten Demokratismus, dem Pazifismus ohne Frieden, dem Anarchismus im Dienst der Bourgeoisie, den „Revolutionären“, die die Revolution in Todesangst fürchten. All diese Organisationen sind nicht Bürgen der Zukunft, sondern faulende Überbleibsel der Vergangenheit. Die Epoche der Kriege und Revolutionen wird von ihnen keinen Stein auf dem anderen lassen.

Die IV. Internationale sucht kein Allheilmittel noch erfindet sie irgendeines. Sie steht voll und ganz auf dem Boden des Marxismus, der einzigen revolutionären Doktrin, die es erlaubt, die Wirklichkeit zu verstehen, die Ursachen der Niederlagen zu erkennen und bewusst den Sieg vorzubereiten. Die IV. Internationale setzt die Tradition des Bolschewismus fort, der dem Proletariat zum ersten Mal gezeigt hat, wie die Macht zu erobern ist. Die IV. Internationale fegt die Quacksalber, Scharlatane und ungebetenen Moralprediger hinweg. In einer auf Ausbeutung gegründeten Gesellschaft ist die oberste Moral, die Moral der sozialistischen Revolution. Gut sind die Mittel und Methoden, die das Klassenbewusstsein der Arbeiter, ihr Vertrauen auf ihre eigene Kräfte und ihre Opferbereitschaft für den Kampf erhöhen. Unzulässig sind die Methoden, die den Unterdrückten Furcht und Unterwürfigkeit einflössen, den Geist des Protestes und der Revolte ersticken oder den Willen der Massen durch den Willen der Führer, die Überzeugungskraft durch den Zwang und die Analyse der Wirklichkeit durch Demagogie und Fälschung ersetzen. Genau deshalb sind die Sozialdemokratie, die den Marxismus prostituiert hat, wie auch der Stalinismus, Antithese des Bolschewismus, Todfeind der proletarischen Revolution und ihrer Moral.

Der Wirklichkeit ins Auge sehen, nicht den Weg des geringsten Widerstandes suchen, die Dinge beim Namen nennen, den Massen die Wahrheit sagen – so bitter sie auch sein mag – , Hindernisse nicht fürchten, streng sein in den kleinen Dingen wie in den großen, Wagemut, wenn die Stunde der Aktion kommt, das sind die Regeln der IV. Internationale. Sie hat bewiesen, dass sie gegen den Strom zu schwimmen versteht. Die nächste geschichtliche Welle wird sie auf ihren Gipfel heben.

Gegen Sektierertum

Unter dem Einfluss des Verrats und der Entartung der historischen Organisationen des Proletariats entstehen oder erneuern sich im Umkreis der IV. Internationale sektiererische Gruppierungen und Einstellungen verschiedenster Art. Ihre gemeinsame Basis ist die Weigerung, für Teil- und Übergangsforderungen zu kämpfen, d.h. für die elementaren Interessen und Bedürfnisse der Massen, so wie sie einmal sind. Sich auf die Revolution vorzubereiten, heißt für die Sektierer, sich selbst von den Vorzügen des Sozialismus zu überzeugen. Sie schlagen vor, den „alten“ Gewerkschaften den Rücken zu kehren, d.h. Millionen von organisierten Arbeitern – als ob die Massen außerhalb der Bedingungen des wirklichen Klassenkampfes leben könnten! Sie bleiben gleichgültig gegenüber dem Kampf, der sich im Innern der reformistischen Organisationen abspielt, – als ob man die Massen für sich gewinnen könnte, ohne in diesen Kampf einzugreifen! Sie weigern sich, in der Praxis einen Unterschied zwischen der bürgerlichen Demokratie und dem Faschismus zu machen – als ob die Massen diesen Unterschied nicht auf Schritt und Tritt zu spüren bekämen!

Die Sektierer vermögen nur zwei Farben zu unterscheiden: rot und schwarz. Um sich nicht der Versuchung auszusetzen, versimpeln sie die Wirklichkeit. Sie weigern sich, die beiden in Spanien kämpfenden Lager zu unterscheiden, nur weil beide einen bürgerlichen Charakter haben. Aus dem gleichen Grund glauben sie, dass man im Krieg zwischen Japan und China neutral bleiben muss. Sie leugnen den grundsätzlichen Unterschied zwischen der Sowjetunion und den bürgerlichen Ländern und weigern sich angesichts der reaktionären Politik der sowjetischen Bürokratie, die durch die Oktoberrevolution geschaffenen Eigentumsformen gegen den Imperialismus zu verteidigen.

Unfähig, Zugang zu den Massen zu finden, beschuldigen sie diese deshalb gern der Unfähigkeit sich auf die Höhe der revolutionären Ideen zu erheben.

Eine Brücke – in Form von Übergangsforderungen – erscheint diesen sterilen Propheten völlig überflüssig, weil sie gar nicht beabsichtigen, ans andere Ufer zu kommen. Sie treten auf der Stelle und begnügen sich damit, immer die gleichen leeren Abstraktionen zu wiederholen. Die politischen Ereignisse sind für sie nur eine Gelegenheit, Kommentare abzugeben, aber nicht zu handeln. Da nun die Sektierer – ebenso wie die Wirrköpfe und Wundertäter aller Art – in jedem Augenblick von der Wirklichkeit Nasenstüber erhalten, leben sie in einem Zustand ständiger Aufregung, beklagen sich unaufhörlich über das „Regime“ und seine „Methoden“ und geben sich kleinlichen Intrigen hin. In ihren eigenen Reihen führen sie gewöhnlich ein despotisches Regiment. Die politische Entkräftung des Sektierertums ergänzt nur – wie sein Schatten – die Hinfälligkeit des Opportunismus, ohne revolutionäre Perspektiven zu eröffnen. In der praktischen Politik verbinden sich die Sektierer auf Schritt und Tritt mit den Opportunisten, insbesondere mit den Zentristen[36], um gegen den Marxismus zu kämpfen.

Die Mehrzahl der sektiererischen Gruppen und Cliquen dieser Art, die sich von den Brotkrumen der IV. Internationale ernähren, führen eine organisatorisch „unabhängige“ Existenz, voll höchster Ansprüche, aber ohne geringste Aussicht auf Erfolg. Die Bolschewiki-Leninisten können, ohne ihre Zeit zu verlieren, diese Gruppen ruhig ihrem eigenen Schicksal überlassen.

Jedoch befinden sich sektiererische Tendenzen in unseren eigenen Reihen und üben auf die Arbeit bestimmter Sektionen einen verhängnisvollen Einfluss aus. Das ist eine Sache, die keinen Tag länger geduldet werden darf. Eine richtige Politik in Bezug auf die Gewerkschaften ist eine Grundvoraussetzung für die Zugehörigkeit zur IV. Internationale. Wer den Weg der Massenbewegung weder sucht noch findet, der ist kein Kämpfer, sondern eine Belastung für die Partei. Ein Programm wird nicht für eine Redaktionsstube gemacht, sondern für die revolutionäre Aktion von Millionen Menschen. Die Säuberung der Reihen der IV. Internationale vom Sektierertum und den unverbesserlichen Sektierern ist die wichtigste Voraussetzung für revolutionäre Erfolge.

Macht den Weg frei für die Jugend!
Macht den Weg frei für die werktätigen Frauen!

Die Niederlage der spanischen Revolution, für die ihre „Führer“ verantwortlich sind, der schändliche Bankrott der Volksfront in Frankreich und das Ans-Licht-Treten der Verfälschungen der Moskauer Prozesse: Diese drei Tatsachen versetzen der Komintern zusammen einen Schlag, von dem sie sich nicht wieder erholen wird, und bringen dabei ihren Verbündeten, den Sozialdemokraten und Anarcho-Syndikalisten, tiefe Wunden bei. Das heißt natürlich nicht, dass sich die Mitglieder dieser Organisationen auf einen Schlag der IV. Internationale zuwenden werden. Die ältere Generation, die schreckliche Niederlagen durchgemacht hat, wird zum großen Teil den Kampf aufgeben. Im übrigen legt die IV. Internationale keinen Wert darauf, zu einem Zufluchtsort für invalide Revolutionäre und enttäuschte Bürokraten und Karrieremacher zu werden. Im Gegenteil: Gegen den Zustrom kleinbürgerlicher Elemente, die gegenwärtig in den Apparaten der alten Organisationen vorherrschen, müssen wir strenge Vorkehrungen treffen:. eine Prüfungszeit für Kandidaten, die keine Arbeiter sind, vor allem, wenn es sich um ehemalige Bürokraten handelt, für diese das Verbot, während der ersten drei Jahre verantwortliche Posten in der Partei zu übernehmen usw. In der IV. Internationale ist und wird keine Platz für den Karrierismus sein, dieses Krebsgeschwür der alten Internationalen. Nur diejenigen werden Zugang zu uns finden, die für und nicht von der Bewegung leben wollen. Die revolutionären Arbeiter müssen sich als die Herren fühlen. Für sie stehen die Tore unserer Organisation weit offen.

Selbstverständlich gibt es auch unter den Arbeitern, die früher in der ersten Reihe standen, heute eine ganze Menge, die müde geworden und enttäuscht sind. Sie werden, zumindest in der nächsten Periode, abseits bleiben. Wenn sich ein Programm oder eine Organisation verbraucht hat, verbraucht sich auch die Generation, die sie auf ihren Schultern trug. Die Erneuerung der Bewegung vollzieht sich durch die Jugend, die frei ist von aller Verantwortung für die Vergangenheit. Die IV. Internationale wendet der jungen Generation des Proletariats besondere Aufmerksamkeit zu. In ihrer ganzen Politik bemüht sie sich darum, das Vertrauen der Jugend in ihre eigenen Kräfte und in ihre Zukunft zu erwecken. Nur die frische Begeisterung und die Angriffslust der Jugend können die ersten Erfolge im Kampf sichern, nur diese Erfolge können die besten Elemente der alten Generation auf den Weg der Revolution zurückkehren lassen. So war es bisher und so wird es immer sein.

Alle opportunistischen Organisationen konzentrieren ihrer Natur nach ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die oberen Schichten der Arbeiterklasse und ignorieren demzufolge die Jugend genauso wie die werktätigen Frauen. Nun versetzt aber die Epoche des kapitalistischen Zerfalls der Frau die härtesten Schläge – als Arbeiterin wie als Hausfrau. Die Sektionen der IV. Internationale müssen bei den unterdrücktesten Schichten der Arbeiterklasse und demnach bei den werktätigen Frauen Unterstützung suchen. Sie werden dort unerschöpfliche Quellen der Ergebenheit, der Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft finden.

Nieder mit Bürokratismus und Karriererismus! Macht den Weg frei für die Jugend! Macht den Weg frei für die werktätigen Frauen! Das sind die Losungen, die auf dem Banner der IV. Internationale stehen.

Unter dem Banner der IV. Internationale

Skeptiker fragen: Aber ist denn der Augenblick gekommen, eine neue Internationale zu gründen? Es ist unmöglich, sagen sie, eine Internationale „künstlich“ zu gründen. Nur große Ereignisse können sie entstehen lassen usw. All diese Einwürfe beweisen nur, dass Skeptiker für die Gründung einer neuen Internationale nichts taugen. Überhaupt taugen sie nichts.

Die IV. Internationale hat sich bereits aus großen Ereignissen erhoben: den größten Niederlagen des Proletariats in der Geschichte. Die Ursache dieser Niederlagen ist die Entartung und der Verrat der alten Führung. Der Klassenkampf duldet keine Unterbrechung. Die III. Internationale ist – nach der II. – für die Revolution gestorben. Es lebe die IV. Internationale!

Aber die Skeptiker sind noch nicht zum Schweigen gebracht: Ist denn schon der Augenblick gekommen, sie zu proklamieren? – „Die IV. Internationale“ – antworten wir – „braucht nicht ‚proklamiert‘ zu werden. Sie ist da und sie kämpft. Ist sie schwach? Ja, sie zählt noch nicht sehr viele Reihen, denn sie ist noch jung. Es sind bis jetzt vor allem Kader. Aber diese Kader sind der einzige Bürge der Zukunft. Außerhalb dieser Kader gibt es auf diesem Planeten keine einzige revolutionäre Strömung, die diesen Namen wirklich verdient. Wenn unsere Internationale zahlenmäßig auch noch schwach ist, so ist sie doch stark durch die Doktrin, das Programm, die Tradition und die unvergleichliche Festigkeit ihrer Kader. Wer das heute noch nicht erkennt, der mag weiter abseits stehen. Morgen wird es deutlicher werden.“

Die IV. Internationale erfreut sich schon seit heute des verdienten Hasses der Stalinisten, der Sozialdemokraten, der bürgerlichen Liberalen und der Faschisten. Sie hat und wird keinen Platz in irgendeiner Volksfront haben. Sie kämpft unerbittlich gegen alle politischen Gruppierungen, die mit der Bourgeoisie verbündet sind. Ihre Aufgabe ist es, die Herrschaft des Kapitals zu stürzen. Ihr Ziel ist der Sozialismus. Ihre Methode ist die proletarische Revolution.

Ohne innere Demokratie gibt es keine revolutionäre Erziehung. Ohne Disziplin gibt es keine revolutionäre Aktion. Die innere Struktur der IV. Internationale fußt auf den Prinzipien des demokratischen Zentralismus: volle Freiheit in der Diskussion, volle Einheit im Handeln.

Die gegenwärtige Krise der menschlichen Zivilisation ist die Krise der proletarischen Führung. Die fortgeschrittenen Arbeiter, die in der IV. Internationale vereinigt sind, zeigen ihrer Klasse den Ausweg aus dieser Krise. Sie legen ihr ein Programm vor, das sich auf die internationale Erfahrung des Befreiungskampfes des Proletariats und aller Unterdrückten der Welt gründet. Sie bieten ihr ein unbeschmutztes Banner.

Arbeiter und Arbeiterinnen aller Länder:

Versammelt euch unter dem Banner der IV. Internationale!

Es ist das Banner eures kommenden Sieges!


beschlossen von der Gründungskonferenz der Vierten Internationale, September 1938

Fußnoten

[34]. León Jouhaux war Generalsekretär der größten französischen Gewerkschaft CGT. Jouhaux war ein klassischer Vertreter des Reformismus, der Klassenzusammenarbeit und des Sozialpatriotismus.

[35]. Internationaler Zusammenschluss zentristischer Parteien, der die Gründung der IV. Internationale ablehnte.

[36]. Leo Trotzki schrieb 1932, „daß der Zentrismus all jene Strömungen im Proletariat und an dessen Peripherie umfaßt, die sich zwischen Reformismus und Marxismus ausbreiten und zumeist verschiedene Entwicklungsetappen auf dem Wege vom Reformismus zum Marxismus und umgekehrt repräsentieren“ (Ebd.: Was nun? Schicksalsfragen des deutschen Proletariats. 1932.). Dabei unterscheidet er zwischen verschiedenen Typen des Zentrismus, deren Gemeinsamkeit im Schwanken zwischen reformistischen und revolutionären Positionen besteht. Im Übergangsprogramm bezieht sich Trotzki auf Gruppierungen wie die spanische POUM, die von der revolutionären Bewegung der Massen nach links gedrängt wurden, dabei aber keine gefestigte revolutionäre Position besaßen und so zwischen dem Druck der Massen nach links und dem reformistischen, stalinistischen und bürgerlichen Druck von rechts einknickte und zerrieben wurden. Heute gibt es viele Strömungen, die wir als zentristisch bezeichnen, die ebenfalls zwischen revolutionären und reformistischen Positionen schwanken, ohne aber tatsächlich einem Druck der Massen unterliegen (da sie keine Massenbasis haben), weshalb ihr Schwanken eher in dem Versuch begründet ist, Masseneinfluss zu erlangen.

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